Flache Erde – Wissenschaft

Samuel Rowbotham und die heutigen Vertreter der Flache-Erde-Theorie bringen viele Argumente an. In der Regel werden diese als Beweise bezeichnet. Viele so genannte Beweise sind eigentlich Hypothesen, weil sie nicht auf irgendeine Art verifiziert werden. Zuweilen werden Experimente beschrieben, die in ihrer Durchführung höchst fragwürdig sind oder die Störgrößen den Messeffekt zu stark beeinflussen.

1. Krümmung der Erde

Eines der wichtigsten Argumente der Vertreter der flachen Erde ist die fehlende Krümmung der Erde. Zur Begründung werden gleich mehrere Argumente herangeführt.

  • Wenn man sich an ein Gewässer hinstellt, wird man feststellen, dass die Schiffe in der Ferne nicht mehr sichtbar sind. Mit einem Fernglas oder ähnlichem wird das Schiff wieder sichtbar. Das heißt allerdings, dass es sich um ein perspektivischen Effekt handelt. Laut Vertretern der Flache Erde handelt es sich nicht um einen Effekt, der durch die Erdkrümmung verursacht ist, sondern um einen rein perspektivischen Effekt. Samuel Rowbotham machte dazu ein Experiment. Er ließ ein Boot entlang eines 9,7 langen, künstlich angelegten Kanals Old Bedford River (Großbritannien) fahren. Am Ende hätte das Boot nicht mehr zu sehen sein müssen, allerdings war es nach der Entfernung immer noch zu sehen. Die Abbildungen 1 und 2 sind der Abhandlung von Samuel Rowbotham entnommen [1].

Die Erklärung hierfür ist eigentlich nicht sehr schwierig. Es ist die Lichtbrechung. Das Licht breitet sich nicht immer geradlinig aus. Wenn es eine Änderung der Temperatur, und damit des Brechungsindex, vorhanden ist, wird das Licht abgelenkt. Dieser Effekt hängt besonders von der Temperaturänderung in die Höhe (Brechungsindexgradient) und der Tiefe in die Blickrichtung ab. Damit können ganz unterschiedliche Ergebnisse bei solchen Experimenten entstehen. Gerade über Gewässern ist eine solche Messung höchst unsicher. Auf einer beliebten Videoplattform können sowohl Beweise für eine weite Sicht als auch gegen betrachtet werden.  

  • Desweiteren kann jeder feststellen, dass der Horizont absolut flach ist. Man braucht sich nur zum Beispiel an einem See hinzustellen und die Augen aufzumachen.

Leider kann man die Krümmung der Erde zu den Seiten hin eigentlich nicht sehen. Zumindest nicht aus einer Höhe von einigen Metern. Um die Krümmung erkennen zu können, muss man einige Meter höher steigen. Evtl. reicht schon eine Höhe von 10.000 Metern, aber vermutlich ist eine größere Höhe notwendig.

2. Höhenkorrektur bei Flugzeugen

Aufgrund der Krümmung muss ein Flugzeug die Höhe immer wieder korrigieren. Die Überlegung dabei ist, dass die Erde immer weiter nach „unten“ gekrümmt ist. Wenn man also nicht nach „unten“ korrigiert, entfernt sich das Flugzeug immer weiter von der Erde, obwohl es „gerade aus“ fliegt. Wenn man bedenkt, dass ein Flugzeug sich mit 1000 km/h bewegt, muss der Pilot minütlich nach „unten“ korrigieren, damit sie nicht im Weltraum landen.

Wie groß ist diese Korrektur überhaupt? Die Berechnung der Winkelgeschwindigkeit erfolgt wie folgt:

(1)   \begin{equation*}\dfrac{\Delta \alpha}{\Delta t} = \dfrac{v}{R+h}\,\dfrac{180}{\pi}\end{equation*}

Dabei sind: v … Geschwindigkeit des Flugzeugs; R … Radius der Erde; h … Flughöhe

Beispiel: Das Flugzeug fliegt in einer Höhe von 10000 m mit einer Geschwindigkeit von 1000 km/h. Der mittlere Radius der Erde beträgt 6371 km. Alle Werte in die obere Gleichung eingesetzt (Einheiten sollten angeglichen werden) ergibt: 0,15\, ^\circ/\text{min}. Pro Minute wäre also eine Korrektur von 0,15\, ^\circ notwendig. Ich kenne mich da zwar nicht so gut aus, aber ich vermute, dass jeder Windhauch eine größere Korrektur erfordern würde.

3. Zentrifugalkraft

Karussel

Radial beschleunigte Bewegung auf einem Karussell [1]

Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um die eigene Achse (ungefähr). Bei einem mittleren Radius von R = 6371 \,\mathrm{km} beträgt der Umfang der Erde U = 2\pi R. Wenn sich die Erde in 24 Stunden Einmal um sich herum dreht, ergibt es am Äquator eine Geschwindigkeit von ca. v_{\mathrm{rot}} = \dfrac{2\pi\,R}{24\,\mathrm{h}} \approx 1668\,\mathrm{km/h}. Wie können bei dieser Geschwindigkeit die Ozeane und die Menschen überhaupt auf der Erde bleiben. Sie müssten doch eigentlich von der Erde wegbeschleunigt werden. Man kennt so etwas zum Beispiel vom Karussel.

Die Zentrifugalbeschleunigung beträgt:

(2)   \begin{equation*} a_z = \omega^2 \cdot R \end{equation*}

Um das Ergebnis in m/s anzugeben, werden die Angaben umgerechnet:

(3)   \begin{equation*} a_z = \left( \dfrac{2\pi}{24 \cdot 60 \cdot 60} \right)^2 \cdot R\cdot 1000 \end{equation*}

Am Äquator beträgt die Beschleunigung von der Erde weg ganze a_z = 0,0337\,\mathrm{m/s^2}. Im Vergleich zur Erdbeschleunigung in den europäischen Breiten g \approx 9,81\,\mathrm{m/s^2} ist die Zentrifugalbeschleunigung etwa g/a_z=291 Mal geringer.

Fazit: Um irgendetwas von der Erde abheben zu lassen, muss man einiges an Kraft aufwenden. Je größer die Masse, die angehoben werden soll, desto größer die benötigte Kraft.

 

 

[1] Rowbotham S.: Zetetic Astronomy. Earth Not a Globe. An Experimental Inquiry Into the True Figure of the Earth, 1881

[1] https://pixabay.com/de/m%C3%BCnchen-oktoberfest-fahrgesch%C3%A4ft-1220908/